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Fixierungen in der Psychiatrie – ein bisschen wie im Horrorfilm?

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Fixierungen in der Psychiatrie

Fixierungen – das stellte ich mir in der Zeit meiner Ausbildung ein bisschen wie im Horrorfilm vor. Dann habe ich diese Situationen miterlebt und auch theoretisch dazu gelernt. Heute arbeite ich als examinierte Pflegekraft in der Psychiatrie, Fixierungen gehören zum Alltag – und mein Blick auf diese Maßnahme hat sich verändert.

Fixierung – was ist das überhaupt?

Um diese Frage zu beantworten, hier kurz eine Definition aus der Fachwelt – im Netz nachzulesen.

Als Fixierung bezeichnet man das Festbinden des Patienten mit einem geeigneten Gurtsystem auf einem Krankenhausbett. Dies soll seine Bewegungsfähigkeit deutlich mindern oder fast vollständig unterbinden.

Eine Fixierung erfolgt aber natürlich nicht routinemäßig bei jedem Patienten. Es ist die absolute Ausnahme und das letzte Mittel der Deeskalation, wobei vorher andere Maßnahmen erfolgt sein müssen.

Nun ja, jeder Azubi in der Krankenpflege wird irgendwann in seiner Ausbildung einmal darauf stoßen: das Fixierbett in der Psychiatrie. Es kursieren viele Mythen und Unklarheiten darüber. Ich werde öfters gefragt, aus was denn so ein Fixierbett besteht oder ob der Patient dann hungern müsse.

Fixierbett

Um das gleich mal klar zu stellen: Nein, der Patient verhungert und verdurstet nicht, dazu ist das Personal ja da. Wir achten auf die wichtigsten Dinge des alltäglichen Lebens wie essen und trinken, ausscheiden, Körpertemperatur regulieren, ruhen und schlafen. Es gibt zwölf dieser sogenannten Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL). Einen Überblick über die ATL gibt es hier.

Wann muss ein Mensch fixiert werden?

Fixierungen finden überwiegend in der Psychiatrie statt. Die Patienten müssen bestimmte Indikationen aufweisen, sodass eine Fixierung gerechtfertigt ist. Etwa eine akute Eigengefährdung, zum Beispiel, wenn er suizidgefährdet ist oder sich nicht an Absprachen hält. Oder der Patient ist eine Gefahr für andere (Fremdgefährdung), etwa durch Aggressivität und Gewalt. Dies wären Gründe, um jemanden zu fixieren.

Wie lange die Fixierung dann tatsächlich andauert, ist von Patient zu Patient unterschiedlich – die Zeit sollte aber natürlich so kurz wie möglich gehalten werden. Der Zeitraum kann dabei nur wenige Stunde aber auch mehrere Tage betragen. Täglich wird die Notwendigkeit der Fixierung neu überprüft und beurteilt. Dabei müssen mehrere rechtliche Bestimmungen und Vorgehensweisen eingehalten werden, auf diese möchte ich aber nicht weiter eingehen.

Wie ist es, dabei zu sein?

Es ist etwas anderes, zu beobachten, als selbst zuständig zu sein. Das habe ich nach meiner Ausbildung festgestellt. In diesen drei Jahren habe ich bei drei Fixierungen zugeschaut. Das war ziemlich beeindruckend für mich. Laut schreiende, um sich schlagende Patienten. Ich empfand es als beängstigend und einschüchternd und konnte mir damals schwer vorstellen, dass ich jemals in einer solchen Situation mit agieren kann und möchte.

Mittlerweile habe ich gelernt, dass diese Maßnahme zum Alltag dazu gehört und sich für den Patienten eher hilfreich auswirkt, um ihn vor sich selbst oder andere Menschen vor ihm zu schützen. Der Akt des Fixierens an sich ist jedes Mal spannend, da immer andere Umstände vorherrschen und jeder Mensch darauf anders reagiert. Nach den ersten Fixierungen, bei denen ich selbst mit dabei war, wurde meine Angst vor den tobenden Patienten weniger. Mein Respekt vor so einer Situation ist aber nicht verschwunden.

Wie wirkt so etwas auf Patienten?

Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus. Einige reagieren ängstlich oder haben zumindest Respekt vor solch einer Maßnahme. Viele Patienten stellen viele Fragen zu dem Thema und möchten so etwas nie wieder erleben. Manchmal wirkt sich diese Einstellung positiv auf den weiteren Werdegang, die Motivation und Disziplin des Patienten aus. Einige wenige versuchen, das Ganze etwas ins Lächerliche zu ziehen.

Was sagen Patienten, nachdem sie defixiert wurden?

Auch hier fallen die Meinungen sehr unterschiedlich aus. Die Reaktion ist auch abhängig vom Krankheitsbild. Viele reagieren sehr schambehaftet und nehmen sich vor, keinesfalls wieder in solch eine Situation zu gelangen. Andere kennen Fixierungen schon (zum Beispiel aufgrund einer langjährigen, chronischen psychischen Erkrankung) aus der Vergangenheit und akzeptieren sie für sich – mit dem Wissen, dass die Fixierung der Besserung ihres Zustands dient.

Fotos: Laura Böttcher

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