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Trennungskinder in der Notaufnahme: Was Pflegekräfte und Eltern unbedingt beachten sollten

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Trauriges kleines Mädchen mit Teddybär, während Eltern im Hintergrund streiten

Scheidungen und Trennungen der Eltern sind besonders für Kinder schwierig. Als Kinderkrankenschwester erlebe ich täglich, welche Nöte diese familiären Veränderungen mit sich bringen. Von unwissenden Vätern bis hin zu vergessenen Gesundheitskarten – eine gute Organisation und Kommunikation zwischen den Eltern ist unerlässlich für die Kindergesundheit. Aber auch wir Pflegekräfte tun gut daran, Fettnäpfchen zu umgehen.

Zu Beginn ein Blick auf die Zahlen: Laut statistischem Bundesamt erleben bundesweit 120.000 Mädchen und Jungen unter 18 Jahren, dass sich ihre Eltern scheiden lassen. Hinzu kommen Kinder von Paaren, die nicht verheiratet waren und getrennt leben. Diese Kinder und Jugendlichen werden statistisch nicht erfasst.

Wenn sich Mama und Papa nicht mehr verstehen und es zur Trennung beziehungsweise Scheidung kommt, ist das für alle Parteien eine herausfordernde und hoch emotionale Zeit. Es dauert, bis sich der neue Alltag einpendelt. Vieles ist neu zu organisieren und umzustrukturieren. Jeder und jede muss sich selbst erst wieder in der neuen Lebenssituation zurechtfinden. Was aber hat dieses Thema mit der Kindernotaufnahme zu tun? Bei uns gibt es viele Schnittpunkte, von denen ich vier einmal hier im Blog erläutern möchte:

1. Trennungskinder: Fettnäpfchen vermeiden

Wenn kleine Kinder in die Notaufnahme kommen, haben sie häufig Angst. Angst vor dem Neuen, vor den Untersuchungen und vielem mehr. Wir aus der Pflege und unsere Ärzt:innen versuchen, die notwendigen Abläufe möglichst kindgerecht zu erklären.

Und schon beim Fieber messen ist eine mögliche Stolperfalle da. Im Ohr die Temperatur zu kontrollieren, vergleiche ich gerne mit einem Telefonat. Das kennen unsere Kleinen. Wenn man jedoch sagt: „Komm, wir versuchen mal den Papa zu erreichen“, kann Folgendes passieren. Es tönt aus dem Kindermund: „Ich habe aber gar keinen Papa“. Oder die Mama erklärt etwas mürrisch, dass der Papa nicht mehr zu Hause wohnt. Ich persönlich habe mir deshalb angewöhnt, fiktive Personen beim Fieber messen anzurufen. Wie Prinzessin Anna und Elsa, Bob den Baumeister, Spiderman oder Paw Patrol – sie alle sind zurzeit gern gehörte Gefährt:innen. Leider ist immer besetzt. Aber das Kind hat beim Fieber messen mitgemacht.

2. Gesundheitskarte und Untersuchungsheft mitbringen

Wenn am Wochenende die Kinder zum Kassenärztlichen Notdienst (bis 18:00 Uhr) oder zu uns in die Notaufnahme kommen, gibt es oftmals ein sehr großes Problem. Es ist zum Beispiel Papa-Wochenende, und der Vater hat die Gesundheitskarte und/oder das gelbe Kinderuntersuchungsheft (wichtig bei den Babys) vergessen oder es liegt noch bei der Mama.

Ohne Karte kann der kassenärztliche Dienst jedoch nicht abrechnen. Auch für das Krankenhaus ist ein Besuch ohne Karte mit viel Mehrarbeit verbunden. In der Regel müssen die Elternteile dann in Vorkasse gehen. Und schon ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Ein Anruf beim Ex-Partner oder der Ex-Partnerin würde vielleicht helfen. Aber die Kommunikation ist gerade nicht die beste. Also wird gezahlt, weil dem Kind soll ja geholfen werden.

In diesem Falle haben wir einen guten Tipp. Einfach die Gesundheitskarte mit dem Smartphone von beiden Seiten abfotografieren. So können wir die entsprechende Krankenkasse und die wichtigen Nummern dazu per Hand in den PC eingeben und auf die Dokumente schreiben.

Mit dem gelben Kinderuntersuchungsheft geht das aber leider nicht. Es muss dem jeweiligen Partner oder der jeweiligen Partnerin mitgegeben werden. Warum das wichtig ist? Hier kann nachgeschaut werden, ob die vorgeschriebenen U-Untersuchen gelaufen sind. Während einer Trennung oder Scheidung, die meist hochemotional verläuft, wird das schnell einmal vergessen. Hier muss kontrolliert werden, dass die Kinder sich trotzdem gut körperlich und geistig entwickeln.

3. Namen des Kinderarztes merken

Beim Thema Kinderarzt schneiden die Väter leider schlecht ab. Muss ein Kind in die Notaufnahme, kommt bei der Aufnahme immer die Frage nach dem Kinderarzt. Dieser erhält nach dem Aufenthalt in der Klinik einen Bericht vom medizinischen Fachpersonal.

Ist Papa-Zeit und der Vater bringt das Kind in die Notaufnahme, hat er meist ein Fragezeichen im Gesicht. Die größeren Kids kennen meist schon den Namen ihrer Kinderärztin oder ihres Kinderarztes. Aber die Kleinen?

Anrufen möchte der Papa die Ex-Partnerin nicht, weil sie entweder gerade nicht zu Hause ist oder beide gerade nicht kommunizieren möchten. Dann müssen wir Pflegekräfte über Fragen den Namen der Ärztin oder des Arztes herausbekommen. Es sind Fragen nach dem Stadtteil und dem Straßennamen, ob die Praxis groß oder klein ist. Irgendwann kommen wir schon auf den Namen, aber das kostet manchmal Zeit. Somit sollten sich beide Elternteile den Namen der Kinderärztin oder des Kinderarztes im Handy oder an anderer zentraler Stelle notieren.

4. Trennungskinder und Bauchschmerzen

Bauchschmerzen haben Kinder sehr oft. Sie verarbeiten Erlebtes auch viel über den Bauch. Daher macht nicht nur das vierte heimlich gegessene Eis Bauchschmerzen, sondern gegebenenfalls auch die familiäre angespannte Situation oder die neuen Lebensumstände. Kinder haben Angst davor, Mama und Papa komplett zu verlieren. Angst vor den Streitereien. Angst vorm Türenknallen, vor körperlichen Auseinandersetzungen und Übergriffen. Angst vor der nahen und fernen Zukunft.

All das und noch viel mehr kann sich in Bauchschmerzen äußern. Manche Eltern blenden in der Trennungszeit und danach aus, dass ihr Nachwuchs viel mehr von ihren Problemen und Sorgen mitbekommt, als ihnen lieb ist. Die Bauchschmerzen treten wie aus heiterem Himmel auf und es wird hastig in die Notaufnahme gefahren. Manchmal hilft gerade bei Bauchweh zunächst ein empathisches Gespräch mit dem Kind, um dem wirklichen Grund auf die Spur zu kommen.

Genaues Zuhören bei Trennungskindern

Nun ist es für uns Kinderkrankenschwestern besonders wichtig, in kurzer Zeit viele Informationen zu bekommen. Wir wollen nichts Wichtiges übersehen oder überhören. Es darf nicht passieren, dass aus seelischem Leid eine organische Krankheit wird. Das ist die große Challenge für uns aus der Pflege und für die behandelnden Ärzt:innen.

Veränderungen in der Familie brauchen Zeit und Mut. Alle Beteiligten müssen lernen, eine neue Perspektive einzunehmen. Auch wenn sich Mama und Papa trennen, bleiben sie doch die Eltern ihrer Kinder. Die neuen Wege brauchen Organisation. Deshalb ist die oberste Regel: miteinander sprechen!

Foto: Freepik

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Auf diesem Blog erzählen einige von ihnen aus ihrem Alltag in einer der bundesweit rund 170 Gesundheitseinrichtungen von Asklepios. Wie sie arbeiten und was sie bewegt, lesen Sie hier.

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