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Das macht gute Intensivpflege für mich aus

Autor:
Patientenbett

Heute schreibe ich einen sehr persönlichen Artikel. Ich bin Intensivpflegekraft. Wer meine bisherigen Beiträge gelesen hat, weiß, dass ich eigentlich immer aus dieser professionellen Perspektive schreibe. Mein persönliches berufliches Verständnis war bisher immer dadurch geprägt, eine möglichst empathische und kompetente Betreuung meiner Patienten sicherzustellen.

Als mein Karriereweg mich vom Patientenbett entfernte, änderte sich mein Fokus darauf, möglichst gute Strukturen und Arbeitsbedingungen zu schaffen, um die gute Versorgung unserer Patienten und die Zufriedenheit meiner Mitarbeiter zu fördern. Gleichzeitig beinhaltet mein jetziges Arbeitsgebiet als Abteilungsleitung natürlich auch viele wirtschaftliche Gesichtspunkte und ist immer wieder eine Interessenabwägung zwischen Möglichkeiten und Wünschen.

Perspektivwechsel am Krankenbett

Vor wenigen Wochen nun hat sich meine Perspektive radikal geändert. Und aus diesem für mich völlig neuen Blickwinkel konnte ich einmal mehr sehen, wie wichtig gute Mitarbeiter und gute Pflege sind.

Mein Vater musste vor zwei Wochen operiert werden. Diese Nachricht kam für ihn und für uns völlig unerwartet und brachte das Leben meiner Familie durcheinander. Auf einmal war es Fakt: Mein Vater muss sich einer komplizierten, großen und langen Operation unterziehen, daran führte kein Weg vorbei. Als Fachkrankenpfleger waren mir der Umfang, die Folgen und die Gefahren dieser Prozedur sehr bewusst. Es war auch schnell klar, dass er zumindest zeitweise auf der Intensivstation versorgt werden würde.

Die Zeit verging, und meine Familie durchlief die üblichen Phasen der Verarbeitung. Es ging uns nicht anders als anderen Familie. Aber für mich war die Perspektive ungewohnt. Normalerweise hörte ich von der OP-Vorbereitung von Patienten oder ihren Angehörigen. Nun war ich selber betroffen. Natürlich trug mein Vater die Hauptlast – aber wir alle begleiteten ihn. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Testament – alles kam auf den Prüfstand.

Als Angehöriger auf der Intensivstation

Dann folgte schließlich die Operation – nicht in meiner, sondern einer anderen Klinik. Viele Stunden Ungewissheit und auch Angst. Am Abend konnten wir ihn dann auf der Intensivstation besuchen. Ich erinnere mich, wie wir klingelten. Sehr freundlich wurden wir hereingebeten und über die Besuchsregelungen informiert. So oft in meiner Karriere hatte ich genau diese Sätze gegenüber Angehörigen gesagt. Die Intensivpflegerin informierte uns darüber, was uns im Zimmer erwarten würde. Mein Vater sei noch sediert, seine Hände seien fixiert und der Anblick könnte uns erschrecken. Die Kollegin zeigte extremes Fingerspitzengefühl und war empathisch. Der Zustand meines Vaters war nicht gut. Er hatte noch einen Luftröhrenschnitt bekommen und war im sogenannten Dämmerschlaf. Ziel war es, ihn aufwachen zu lassen.

Die Krankenpflegerin begleitete uns zum Bett und erklärte uns den aktuellen Stand und die aktuelle Versorgung nochmals „vor Ort“. Gefühlt zwei Sekunden später stand schon die betreuende Ärztin am Bett und berichtete vom Ablauf der Operation, dem bisherigen Verlauf und dem weiteren Plan. Als mein Vater sich regte, unruhig wurde, wurde das sofort erkannt und er wurde umgehend korrekt behandelt. Die Pflegekräfte informierten uns über die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und die, wie ich fand, großzügigen Besuchszeiten.

Gute Pflege hilft auch den Angehörigen

Eigentlich war all das für mich ja Alltag. Genau das hatte ich bei tausend Patienten zuvor selbst gemacht. Auf einmal war ich auf der anderen Seite. Es war mein Angehöriger dort im Bett vor mir. Nicht ich sprach mit Angehörigen, sondern man sprach mit mir. Es war für mich ein sehr faszinierendes Erlebnis, das ich nicht mehr so schnell vergessen werde.

Warum ist mir dies einen Beitrag im Pflegeblog wert? Weil mir dieses Erlebnis zeigt, was Pflege und Intensivversorgung im Stande sind zu leisten. Meine Lebensgefährtin und ich fühlten uns von der Pflegerin am Bett meines Vaters „abgeholt und wahrgenommen“. Wir wurden vorbildlich informiert und unsere Fragen wurden ernst genommen und beantwortet. Ich hatte diese Dinge, die in meinem Arbeitsalltag Selbstverständlichkeiten sind, niemals so bewusst wahrgenommen wie vor zwei Wochen. Mir hat das erneut gezeigt, wie wichtig mein Beruf ist.

Später, als es ihm besser ging, berichtete auch mein Vater, wie gut er durch die Kolleginnen und Kollegen der Intensivpflege versorgt und behandelt wurde. Auch auf der Normalstation wird er aktuell gut gepflegt. Ich schrieb bereits in einem anderen Artikel: „Pflege findet am Menschen statt“. In dieser Situation konnte ich selbst am eigenen Leib erfahren, wie wichtig Pflege ist und welchen Halt gute Pflegekräfte geben können. Dafür bin ich zutiefst dankbar.

Foto: Fotolia/sudok1

Marc Alexander Noll

(Jahrgang 1981) ist Stationsleiter der Internistischen Intensivstation der Asklepios Klinik Barmbek. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Marc hat ein Faible für unnötiges technisches Spielzeug, wie er selbst sagt. Bei Computern und Handys ziehen ihn die neuesten Modelle magisch an. Sport steht täglich auf Marcs Programm. Er geht Joggen, am liebsten im Jenfelder Moor, oft aber auch einfach vor der Haustür. Neuerdings macht er Karate – als Ausgleich und zum Abreagieren. Auch seinen Sohn konnte er für die asiatische Kampfkunst begeistern. Wunderbar abschalten kann Marc auch mit der Gitarre in der Hand. Er spielt in einer Band, mit der er regelmäßig auftritt.


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    Wir sind Pflege! Denn mit mehr als zwei Millionen Patienten sind die Asklepios Kliniken eines der größten Gesundheitsunternehmen in Deutschland. Über 38.000 Mitarbeiter sind rund um die Uhr im Einsatz - ein großer Teil von ihnen als Pflegekräfte.
    Auf diesem Blog erzählen einige von ihnen aus ihrem Alltag in einer der bundesweit rund 150 Gesundheitseinrichtungen von Asklepios. Wie sie arbeiten und was sie bewegt, lesen Sie hier.

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