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Pflege geht uns alle an: Wir brauchen Dich!

Autor:
Pflegekraft

In meiner Wahrnehmung ist die Gesundheits- und Krankenpflege in den letzten Monaten mehr in der Presse präsent. Nicht erst, nachdem unsere Kanzlerin Angela Merkel im Wahlkampf mit diesem Thema „liebevoll“ konfrontiert wurde. Die Themen, die meiner Berufsgruppe seit Jahren unter den Nägeln brennen, werden inzwischen endlich auch öffentlich breit diskutiert!

Diese Öffentlichkeit ist essenziell wichtig. Das Problem der demografischen Entwicklung ist seit Jahrzehnten bekannt. Ich glaube kaum, dass heute noch jemand nicht weiß, dass auf immer mehr alte Mitbürger immer weniger junge kommen. Auch das Wort „Pflegenotstand“ müsste inzwischen jedem ein Begriff sein. Über die Arbeitsverdichtung in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern ist in der Presse immer wieder zu lesen. Zusammengefasst: Es gibt kaum noch Pflegekräfte, dafür immer mehr Menschen, die der Gesundheits- und Krankenpflege bedürfen. Diese Situation wird sich in den kommenden Jahren drastisch verschärfen. Es ist fünf nach zwölf, nicht mehr fünf vor.

Kein Selbstzweck

Auch dieser Blog ist letztlich kein Selbstzweck! Es ist kein Geheimnis, dass es darum gehen soll, meinen Beruf ehrlich und positiv darzustellen. Es soll darum gehen, Menschen für eine Tätigkeit in der Krankenpflege zu begeistern. Dies ist auch kein Problem, denn es ist ein toller und spannender Beruf mit vielen Perspektiven! Die große Versorgungslücke wird aber kommen. Sie lässt sich kaum mehr vermeiden.

Schon heute spüren wir das jeden Tag in der Praxis. Wir haben offene Stellenangebote und keine oder nur ganz wenige geeignete und qualifizierte Bewerber. Die Anzahl derer, die meinen Beruf erlernen wollen, reicht nicht aus. Viele examinierte Pflegekräfte wechseln nach kurzer Zeit lieber in andere Arbeitsbereiche. Für uns als Pflegekräfte, aber auch für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, ist dies eine bedrohliche und auch existenzgefährdende Situation. Alle derzeitigen Lösungsansätze sind eher Schadensbegrenzung als Lösung.

Oft sehen Kinder klarer

Denn häufig werden alle Versuche, Verbesserungen herbeizuführen, zerrieben zwischen Leistungserbringern (Krankenhäusern / Pflegeeinrichtungen), Kostenträgern (Krankenkassen / Gesellschaft) und verschiedenen politischen Interessen. Ein Konflikt, den man wohl nicht einfach beenden wird können. Wenn ich das meinem achtjährigen Sohn erkläre, würde er allerdings sofort die Lösung erkennen: Gute Pflege muss gut bezahlt werden, die Arbeitsbedingungen müssen besser werden.

Ich habe mich für meinen aktuellen Beitrag aus einem einfachen Grund entschieden. Ich las vor einiger Zeit Ergebnisse einer Befragung. Ein sehr hoher Prozentsatz der Bevölkerung sieht das Pflegeproblem und nimmt es als bedrohlich wahr. Gleichzeitig gibt aber nur ein einstelliger Prozentsatz der Befragten an, sich Sorgen darüber zu machen oder gar schon betroffen zu sein. Als ich das las, konnte ich nur den Kopf schütteln. Wie kann jemand die Wand nicht sehen, auf die wir gerade mit Vollgas zusteuern? Wie kann jemand das nicht als bedrohlich wahrnehmen? Letztlich kann doch jeder in eine Situation kommen, wo er im Krankenhaus Hilfe sucht oder Angehörige der Pflege bedürfen. Ich glaube, dass viele von uns dieses Thema schlicht verdrängen oder nicht wahrhaben wollen.

Wie kann ich helfen?

Keiner kann ein solch komplexes Problem alleine lösen. Da müssen sich unsere gewählten Volksvertreter drum kümmern. Als Gesellschaft müssen wir alle uns fragen, was uns Gesundheit wert ist. Dies wird zu finanziellen Mehrbelastungen für alle Bürger führen.

Wer jetzt am Anfang seiner Karriere steht und überlegt, welchen Beruf er erlernen möchte, dem kann ich sagen: Es gibt Möglichkeiten in der Pflege. Es ist ein spannender und vielfältiger Beruf – und ein sicherer dazu. Denn der Bedarf wird bleiben.

Als Pflegekraft hoffe ich, dass die Arbeitsverdichtung irgendwann ein Ende hat – dass die Arbeitsbedingungen sich irgendwann auch einmal in eine andere Richtung entwickeln. Dies geht aber nur, wenn wir tolle und motivierte Menschen finden, die meinen Beruf erlernen wollen. Ich bleibe auch heute meiner Sichtweise treu: Ich würde es wieder tun, denn ich liebe meinen Job – das habe ich immer wieder in meinen früheren Beiträgen geschrieben, zum Beispiel hier und hier. So sehen es viele meiner Kollegen. Aber Pflege braucht Menschen, und Pflege braucht Zeit. Sonst ist es keine Pflege, sondern reine Verwaltung menschlicher Schicksale.

Foto: Fotolia/upixa

Marc Alexander Noll

(Jahrgang 1981) ist Stationsleiter der Internistischen Intensivstation der Asklepios Klinik Barmbek. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Marc hat ein Faible für unnötiges technisches Spielzeug, wie er selbst sagt. Bei Computern und Handys ziehen ihn die neuesten Modelle magisch an. Sport steht täglich auf Marcs Programm. Er geht Joggen, am liebsten im Jenfelder Moor, oft aber auch einfach vor der Haustür. Neuerdings macht er Karate – als Ausgleich und zum Abreagieren. Auch seinen Sohn konnte er für die asiatische Kampfkunst begeistern. Wunderbar abschalten kann Marc auch mit der Gitarre in der Hand. Er spielt in einer Band, mit der er regelmäßig auftritt.


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Über Uns

Wir sind Pflege! Denn mit mehr als zwei Millionen Patienten sind die Asklepios Kliniken eines der größten Gesundheitsunternehmen in Deutschland. Über 38.000 Mitarbeiter sind rund um die Uhr im Einsatz - ein großer Teil von ihnen als Pflegekräfte.
Auf diesem Blog erzählen einige von ihnen aus ihrem Alltag in einer der bundesweit rund 150 Gesundheitseinrichtungen von Asklepios. Wie sie arbeiten und was sie bewegt, lesen Sie hier.

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