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Wie der kassenärztliche Notdienst für Kinder in unserer Klinik arbeitet

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Viele Eltern kennen das: Es ist Samstag in der Früh, das Kind steht weinend vor den Eltern und klagt über starke Ohrenschmerzen. Der Kinderarzt hat zu, wo nun aber hin mit dem kranken, weinenden Kind? Jedes Krankenhaus hat eine Notaufnahme, die durchgehend geöffnet ist. Aber mit Ohrenschmerzen in die Notaufnahme?

Dabei sind die Kliniken auf solche Fälle eingestellt: Am Wochenende und an den Feiertagen ist die Zentrale Notaufnahme für Kinder für neun Stunden in der Hand der niedergelassenen Kinderärzte. Danach übernehmen wieder die Klinikärzte. Es gehört zu den Pflichten der niedergelassenen Kinderärzte, am ärztlichen Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) am Wochenende teilzunehmen.

Wenn die niedergelassenen Kinderärzte in der Notaufnahme im Dienst sind, werden die Rettungs- und Notarztwagen mit den schweren Fällen gleich auf die Kinderstation weitergeleitet. Vom Fachwissen her könnten die ärztlichen Kolleginnen und Kollegen natürlich auch die Rettungswagen annehmen, aber leider nicht abrechnen. Der kassenärztliche Notdienst ist für die kleinen und großen Patienten da, die zu Fuß kommen und Hilfe brauchen.

Was ist für uns Pflegekräfte der große Unterschied?

Das Arbeiten mit den niedergelassenen Kinderärzten verläuft in einem anderen Modus als der übliche Schichtbetrieb. Patient aufrufen, Dokumentation vorbereiten, eventuell ein paar kleine pflegerische Vorbereitungen je nach Erkrankung – fertig. Den Rest erledigt der Arzt in flottem Tempo wie in der Kinderarztpraxis. Problem erkennen, Maßnahmen ein- und anleiten, damit die Familie über das Wochenende versorgt ist. Sollte das Kind doch ernsthaft krank sein, wird es stationär aufgenommen.

Schwerpunkt ambulante Versorgung

Auch die ganze Administration verläuft an diesen Tagen etwas anders. Wir bereiten die Unterlagen vor, sodass der diensthabende Arzt sie nur noch ausfüllen muss. Manchmal kommt ein kleiner Verbandswechsel oder eine Blutzuckerkontrolle noch hinzu. Das war es dann auch schon.

Die Vorbereitungen zu den geplanten und ungeplanten stationären Aufnahmen, Blutentnahmen, Röntgen und so weiter – all das übernimmt nicht der niedergelassene Kinderarzt und fällt jetzt für mich weg. Keine Rettungswagen, die hereinplatzen und für Hektik sorgen. Selbst das Telefon klingelt seltener an diesen Tagen.

Lernen von den „alten Hasen“

Das hört sich jetzt zwar etwas eintönig an, kann aber auch sehr spannend werden. Denn die niedergelassenen Kinderärzte sind in der Regel schon sehr lange in ihrem Beruf und kennen alle Handgriffe. Man kann da noch eine ganze Menge lernen. Viele Kniffe habe ich mir schon ab- und angeschaut, denn in der Kinderkrankenpflege muss man manchmal ein Fuchs sein: clever, schlau und mit ein paar kleinen Tricks zum Ziel kommen. Mancher Azubi hat in der KV-Ambulanz noch wertvolle Ratschläge für das Examen bekommen. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass Nasenspray nicht nur gut für die Nase ist, sondern im Notfall bei einem schweren Pseudokrupp-Anfall, einer Entzündung der oberen Atemwege im Bereich des Kehlkopfes mit bellendem Husten, hilfreich sein kann.

Unvergesslich ist mir ein Kinderarzt, der bis auf das Gramm genau sagen konnte, wie das Gewicht des Kindes ist – wohlgemerkt, ohne es zu wiegen. Er hatte das Kind nur einmal angehoben. Wir haben es überprüft und zusammen mit den Eltern und Kindern gestaunt.
So ab und zu wundert sich der eingeteilte Kinderarzt auch, dass am Wochenende seine eigenen Patienten auftauchen, obwohl in den Tagen zuvor in der Praxis alles schon geklärt worden war. Es wird aber keiner weggeschickt, sondern mit professioneller Geduld noch einmal alles erklärt. Und manchmal staunt der Doktor nicht schlecht, wenn eine Mutter vor ihm steht, die er schon als Kind behandelt hat und er nun die nächste Generation untersuchen darf.

Zeit für Gespräche

Und dann gibt es noch einen kleinen Vorteil: Man kommt an diesen Tagen mal zu dem einen oder anderen Gespräch mit Eltern und Kindern. Das schafft Vertrauen und kann helfen, die Angst vor einer Untersuchung zu nehmen. Jugendliche fangen an, von ihren Sorgen und Problemen zu berichten, weil sie merken, wir haben ein wenig Zeit. Das sind Bedürfnisse, die im normalen Arbeitsalltag der Notaufnahme häufig leider untergehen.

Fotos: Fotolia/ kolinko_tanya; Christiane Langhals

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