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Patientin sein – oute ich mich als Pflegekraft oder lieber nicht?

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Kann man als Pflegekraft nur Patientin sein?

Am gestrigen Abend saß ich mit zwei Freundinnen zusammen. Die eine Psychiaterin, die andere Pflegekraft und ich Dozentin in der Pflegeschule. Da ist es wenig verwunderlich, dass Anekdoten aus dem Arbeitsalltag im Krankenhaus ausgetauscht wurden. Auch die über unsere eigenen Krankenhausaufenthalte und Behandlungen als Patientin.

Von der Pflegekraft zur Patientin

Jede von uns war auch schon mal selbst Patientin. Ich werfe sehr vorschnell in den Raum, dass ich sobald wie möglich zu erkennen gebe, selbst Pflegekraft zu sein. Bin ich bei Asklepios in Behandlung, teile ich auch mit, dass ich beim selben Arbeitgeber beschäftigt bin. Für mich spielen mehrere Punkte eine Rolle. Ich möchte mit offenen Karten spielen. Das Personal soll nicht denken, ich würde Fachtermini nicht verstehen. Da ich die klinikinternen Abläufe und Probleme kenne, kann man da mit mir offener umgehen. Dazu ein Beispiel von mir selbst:

Pro – Patientin sein und sich als Pflegekraft outen

Letztes Jahr bin ich mit dem Verdacht auf eine Mittelfußfraktur für eine Kernspintomographie (MRT) bei uns in der Asklepios Klinik Nord gewesen. Der mich betreuende Arzt läuft mit mir in der Kliniklaufgruppe und wollte das Ergebnis anschließend auch mit mir besprechen.

Der Weg von der Anmeldung zum MRT hätte wohl manchen Patienten etwas aus der Bahn geworfen: Ich musste erst zum Arzt im ambulanten Zentrum, um mir eine Einweisung zu holen, mit der dann zur Anmeldung der Kurzzeitchirurgie, ach nee doch nicht… „Sie müssen in die Patientenaufnahme.“ Dort sitzend dann große Augen: „Sind Sie sich sicher, dass Sie sich hier anmelden sollten? Die Untersuchung ist doch ambulant.“ Ja, ich war mir sicher und habe mit einem innerlichen Schmunzeln die Situation erklärt. Ich vermute, die Frage wäre mir nicht gestellt worden, wäre ich nicht Mitarbeiterin. Denn wie bzw. was hätte ich dann auf die Frage antworten sollen?

Bei der Nachbesprechung habe ich mich mit dem Arzt neben dem Untersuchungsbefund über das Aufnahmeprozedere unterhalten. Ich sah das ganz entspannt. Er aber seufzte nur: „Jetzt stellen Sie sich mal jemanden vor, der die internen Abläufe nicht kennt, da ist dann das Verständnis nicht so groß!“ Recht hat er. Nachvollziehbar ist das Unverständnis von Patienten aber auch. Es gibt einfach immer wieder Abläufe, die alles andere als optimal sind.

Contra – Patientin sein und sich als Pflegekraft outen

Nach dieser Schilderung gab meine Freundin am gestrigen Abend zu bedenken, dass aber genau dieses „Insiderwissen“ Nachteile bringen kann. Wenn das eigene Fachwissen den behandelnden Berufsgruppen bekannt ist, fallen die Erklärungen von Untersuchungsbefunden und Therapiemöglichkeiten oft knapper aus. Frei nach dem Motto: Sie kennt sich ja aus. Bei der Behandlung meiner Mittelfußfraktur ist mir das nicht passiert. Mir sind dann aber doch andere Beispiele eingefallen, bei denen ich es auch so erlebt habe. Ich musste dann nachfragen, kam mir unwissend vor – und das in einer Situation, in der es mir als Patientin viel schlechter ging als mit meinem Fußbruch. Ich wollte einfach nur Patientin sein, nicht Pflegekraft.

Wie so oft gibt es also keine einzig richtige Entscheidung. Wie haltet Ihr das? Warum outet Ihr euch als Pflegekraft, wenn Ihr in selbst in Behandlung seid? Oder behaltet Ihr euren Beruf lieber für Euch?

Foto: Katharina Voß

Katharina Voß

(Jahrgang 1983) ) ist seit 2016 Berufspädagogin im Bildungszentrum für Gesundheitsberufe der Asklepios Kliniken Hamburg. Davor hat sie als Stationsleitung in der Klinik für Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen der Asklepios Klinik Nord gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Sohn in Hamburg. Katharinas Leidenschaft ist der Sport. Mehrmals pro Woche trainiert sie, fährt mit dem Rennrad zur Arbeit oder läuft durch die Hamburger Naherholungsgebiete. Am liebsten läuft Katharina an den Elbhängen in Rissen und Blankenese oder am nördlichen Alsterlauf. Doch auch auf der Tartanbahn fühlt sie sich wohl. Beim Sport kann Katharina die Anstrengungen der Arbeit hinter sich lassen und abschalten.


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