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Der schmale Grat: Empathie in Pflegeberufen

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Empathie ist in meinen Augen eines der höchsten Güter in sozialen Berufen, vor allem in der Gesundheits- und Krankenpflege. Es ist die Kunst, auf die Sorgen und Ängste der Patienten einzugehen, ihre Anliegen und Ängste zu verstehen – ganz gleich wie alt sie sind, ob Mann oder Frau und welche Krankheit oder Verletzung sie haben.

Es geht darum, den Menschen zu nehmen, wie er ist: Als Individuum, als individuell, und ich meine nicht dieses Berliner-Hipster individuell, sondern so richtig echtes individuell.

Genau hier liegt die Kunst – die Kunst, ein Lächeln zu zeigen und zu erzeugen. Und aus Empathie keine Antipathie entstehen zu lassen, auch wenn einem im Alltag vielleicht mal eher nach Antipathie ist.

Pflegeberufe bieten viele Möglichkeiten, die eigene Fähigkeit der Empathie zu intensivieren und sie so einzusetzen, dass der Patient es schafft, mit einer für ihn neuen Situation und seiner Erkrankung umzugehen.

Zwischen Bindung und Abbruch

Dazu gehört auch, eine Beziehung aufzubauen – und sie nach Feierabend wieder zu “kappen”. Um am nächsten Tag sogleich wieder dort anzuknüpfen. Das ist Pflege: Der schmale Grat zwischen Bindung und Abbruch der Bindung. Denn ohne Abbruch wird aus der Arbeit dein Privates und umgekehrt aus deinem Privaten deine Arbeit. Es ist wichtig, die beiden Enden nicht zu “verwursten”. Denn dadurch kann sich Empathie in Antipathie verkehren.

Wir wissen alle, wohin das auf Dauer führen kann. Gesundheits- und Krankenpflege ist eine enorm große psychische Belastung, für die nicht jeder gemacht ist. Und der vor allem nicht jeder standhält. Wer es dennoch schafft, kann mehr als stolz auf sich sein!

Ausgleich und Energie in der Freizeit

Doch was tun, um die Empathie zu festigen und sie sich zu erhalten? Viele haben bestimmt ihre eigenen Methoden, um auf diesem schmalen Grat zu wandern. Ich genieße meine Freizeit in Hamburg mit Freunden und Familie, der Kultur, mit Lesen, mit Bildung, mit Theater, mit Schreiben, mit Bühnenproben als Schauspieler. Es wird genug geboten in der schönsten Stadt der Welt, um sich den nötigen Ausgleich und die Energie zu holen, die man braucht, um sich seine Empathie zu erhalten.

Oder sie sich eben erst einmal anzueignen. Mir geht es sehr gut, wenn ich Erlebtes aufschreibe. Es hilft mir, den Kopf freizubekommen und Platz für Neues zu schaffen. Denn oft gelange ich an meine Grenzen, psychisch wie körperlich. Doch ich freue mich auch, meine Grenzen zu spüren. Diese Erfahrung bringt mich immer ein Stück weiter. Ob im Privaten oder bei der Arbeit unterscheide ich dann nicht, solange es mich menschlich stärkt.

Diese Empathie, sofern du sie einmal erlangt hast, kann dir so schnell keiner mehr nehmen – außer du dir selbst.

Foto: Fotolia / Tylor Olson

Niklas Ziegenrücker

Niklas Ziegenrücker (Jahrgang 1987) arbeitet auf der Unfallchirurgischen Station der Asklepios Klinik St. Georg. Der gebürtige Hamburger hat eine Schauspiel-Ausbildung absolviert, auf der Bühne gestanden und vor der Kamera – und danach erst die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger durchlaufen. Seiner Theater- und Filmbegeisterung folgt er auch jetzt noch neben seinem Job als Pfleger: Mit einem Freund bastelt er an einem Bühnenprojekt, in der Freizeit geht es häufig ins Theater. Außer, wenn der HSV spielt: Dann gilt Niklas Aufmerksamkeit ganz seinem Lieblingsverein.


    Kommentare

    2
    • silvia

      solche Menschen werden in der Pflege gebraucht.Ich lag 3 Monate im Krankenhaus und hab mitbekommen das gerade Schwester ind Pfleger ein sehr harten Beruf haben. Aber ich denke das ist ja bekannt
      Hochachtung an alle die den Beruf in der Pflege ausüben.

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