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Ins Ausland während der Ausbildung: Krankenpflege in Island

Autor:
Neue Eindrück aus Island

GASTBEITRAG:

Während ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Asklepios Klinik Nord hat Mira Henning sich zu einem Auslandspraktikum entschlossen. Fünf Wochen lang arbeitete sie in einer Klinik in Islands Hauptstadt Reykjavik. In ihrem zweiten Gastbeitrag erzählt sie, wie sie den Klinikalltag dort erlebt hat.

Am 24. Mai 2018 früh am Morgen ging die Reise dann endlich los. Sie begann am Hamburger Hauptbahnhof, von dort fuhr ich mit dem Zug nach Berlin, wo mich dann am Vormittag mein Flieger nach Reykjavik/ Keflavik Airport erwartete. Ich bin ein guter Flugschläfer – und wachte erst nach etwa drei Stunden kurz vor Landung wieder auf. Der Blick aus dem Fenster lohnte sich: Schnee bedeckte Berge, ich war angekommen!

Der erste Eindruck vom Universitätskrankenhaus in Reykjavik

Auch in Island wird im Dreischichtsystem gearbeitet (Frühdienst 8 bis 16 Uhr, Spätdienst von 15.30 bis 23.30 Uhr und die Nachtschicht von 23.00 bis 8 Uhr). Allerdings verfügte die Station nur über 18 Betten, verteilt auf Dreibettzimmer. Der Sichtschutz zwischen den Betten sorgte für Privatsphäre. Ein großer Unterschied waren die Badezimmer, die zumindest auf dieser Station nicht mit im Zimmer waren, sondern separat in Form großer Badezimmer mit ebenerdiger Dusche im Flur.

Das Pflegepersonal – hjúkrunarfræðingur (nurse) and sjúkraliði (practical nurse)

Es waren immer drei examinierte Krankenschwestern im Einsatz, die meist auch jede einen Pflegehelfer zur Hand hatten. Zwischen der examinierten Krankenschwester und der „practical nurse“ war eine klare Aufgabenteilung gegeben, vergleichbar mit der Aufgabenteilung zwischen Gesundheits- und Krankenpflegern und Pflegehelfern in Deutschland. Die Krankenschwester war nur für die medizinische Versorgung verantwortlich, während die „practical nurse“ sich um pflegerische Tätigkeiten kümmerte. Anders als erwartet habe ich dabei aber keine Hierarchieabstufungen oder Machtausübung erlebt.

Arbeitsalltag auf Isländisch

Der Alltag für die Patienten begann um 9 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück im Aufenthaltsraum der Station: geschmierte Brote, Müsli mit frischem Obst, Kaffee. Neben einem Esstisch gab es auch ein Sofa und eine Fernsehecke. Währenddessen wurden von den Examinierten die Medikamentenausgabe vorbereiteten und die Pflegehelfer machten die Betten.

Am Vormittag folgte dann die Messrunde der Vitalzeichen und medizinische Arztanordnungen wurden durchgeführt, wie zum Beispiel Verbandswechsel. Einmal die Woche wurden die Patienten geduscht. Da war dann auch Zeit für Lockenwickler oder ähnliche individuelle Wünsche. Um 12 Uhr gab es Mittagessen, um 15 Uhr noch einmal Kaffee und Gebäck. Um 18 Uhr folgte das Abendbrot, um 20 Uhr gab es nochmal eine heiße Schokolade, bevor dann Schlafenszeit war.

Zeit für Kontakt – Zeit für Pflege

Der Aufenthaltsraum wurde oft den ganzen Tag über für Patientenbesuche und Gespräche genutzt. Es redeten die Patienten unter sich oder das Pflegepersonal war im Austausch mit den Patienten und Angehörigen. Generell ist mir das sehr enge, fast schon familiäre Verhältnis zwischen Patienten und Krankenpflegern und Pflegehelfern aufgefallen. Auch die Physiotherapeuten waren auf der Station involviert. Sie holten die Patienten für Therapien ab, die eine Etage höher stattfanden.

Da es auf der Station hauptsächlich darum ging, die Patienten auf Zuhause vorzubereiten und sie wieder zur Selbstständigkeit zu führen, fand ein sehr enger Austausch mit den Angehörigen statt. Es gab zum Beispiel Meetings, an denen neben den Angehörigen auch die Stationsleitung, der behandelnde Arzt und die zuständige Pflegekraft teilnahmen.

Der Ablauf und die Tätigkeiten auf der Station unterschieden sich aber kaum vom deutschen Krankenhausalltag. Dennoch fällt der deutlich bessere Personalschlüssel natürlich schon ins Gewicht. Die Arbeit war generell viel entspannter und der Patientenkontakt viel intensiver.

Was ich mit nach Deutschland nehme…

Nach den fünf Wochen kann ich sagen, meine Entscheidung definitiv nicht bereut zu haben. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, einmal „über den Tellerrand“ zu gucken und einen anderen Arbeitsalltag im gleichen Berufsfeld kennenzulernen. Schön wäre es, gut funktionierende Dinge möglicherweise auf meine zukünftige Arbeitsstation zu übertragen – zum Beispiel die deutlich individueller angepasste Pflegeroutine, bei der mehr Rücksicht auf Gewohnheiten genommen werden konnte.

Mein Fazit zu Island generell: Wirklich tolle Landschaft. Sehr teuer mit hohem Lebensstandard. Der Nationalstolz und das Zusammengehörigkeitsgefühl waren beeindruckend. Dass das so stark spürbar war, kann aber auch dran gelegen haben, dass ich während der WM da war. Zum Wetter will ich gar nicht viel sagen: typisch nordisch, viel Grau, viel Regen. Die beheizten Freibäder und vor allem die natürlichen heißen Quellen sind unglaublich, daher war das Wetter halb so schlimm! Ich kann jedem so ein Auslandspraktikum während der Ausbildung nur empfehlen. Die Möglichkeit hat man nicht allzu oft.

Hier geht es zu meinem ersten Gastbeitrag, in dem ich beschreibe, wie ich mich auf meinen Auslandsaufenthalt vorbereitet habe.

Foto: Mira Henning

Über Uns

Wir sind Pflege! Denn mit mehr als zwei Millionen Patienten sind die Asklepios Kliniken eines der größten Gesundheitsunternehmen in Deutschland. Über 38.000 Mitarbeiter sind rund um die Uhr im Einsatz - ein großer Teil von ihnen als Pflegekräfte.
Auf diesem Blog erzählen einige von ihnen aus ihrem Alltag in einer der bundesweit rund 150 Gesundheitseinrichtungen von Asklepios. Wie sie arbeiten und was sie bewegt, lesen Sie hier.

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