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Palliative Care: Warum es um mehr als nur um Sterbebegleitung geht

Pflegekraft hält im Krankenhaus einfühlsam die Hand einer Patientin im Rahmen palliativer Pflege.

Palliative Care ist längst mehr als ein Begriff: Es ist eine Haltung, ein interdisziplinäres Versorgungsmodell und eine Einladung, Sterben als Teil des Lebens zu begreifen – ohne dabei die Würde, die Bedürfnisse und die Wünsche der Betroffenen aus dem Blick zu verlieren. Doch was bedeutet das konkret für den Pflegealltag, für Angehörige und für unser gesellschaftliches Verständnis von Pflege?

Lebensqualität als Pflegeziel: Was heißt das eigentlich?

Im Kern geht es bei Palliative Care nicht nur um die Linderung von Schmerzen und körperlichen Beschwerden, sondern um ein ganzheitliches Wohlbefinden.

Dazu zählen:

  • Symptomkontrolle, also der gezielte Umgang mit Schmerzen, Atemnot, Übelkeit oder Unruhe – damit Menschen trotz Krankheit am täglichen Leben teilhaben können.
  • Psychosoziale Unterstützung für Patient:innen und Familien, um Ängste, Unsicherheiten und belastenden Gefühle Raum zu geben.
  • Spirituelle und existenzielle Begleitung, die Raum schafft für Fragen nach Sinn, Glauben oder einfach dem, was im Leben wirklich zählt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Palliative Care als Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit lebensbedrohlicher Erkrankung und deren Familien durch frühzeitige Erkennung und Behandlung von Leiden in all seinen Dimensionen.

Der Mensch im Mittelpunkt: Pflege ist Beziehungsarbeit

Gerade im Pflegealltag wird deutlich: Palliative Care ist mehr als ein medizinisches Konzept, sie ist Beziehungsarbeit. Pflegekräfte sind häufig nah am Menschen dran, hören zu, nehmen wahr, was gesagt und was unausgesprochen bleibt. Dabei geht es nicht immer um große Aktionen, sondern oft um kleine, wertvolle Momente:

  • Das bewusst gestaltete Gespräch statt schneller Routine.
  • Die Möglichkeit für Patient:innen, über Erinnerungen und Wünsche zu sprechen.
  • Ein Spaziergang im Garten statt starrer Klinikroutine.

So wird Pflege zur Brücke zwischen dem Hier und Jetzt und dem, was Menschen als lebenswert empfinden, weit über die symptomatische Versorgung hinaus.

Symbolsprache erkennen und gemeinsam erkunden

Ein oft unterschätzter Aspekt ist, wie wir miteinander sprechen und zuhören. In schweren Lebenssituationen kann sich Sprache verändern: Menschen drücken sich dann nicht immer direkt aus, sondern nutzen Metaphern, oder ungewöhnliche Bilder, um ihre Gefühle zu beschreiben. So kann ein:e Patient:in zum Beispiel sagen: „Ich habe das Gefühl, ich stehe am Bahnhof und der Zug fährt bald ab.“ Gemeint ist dann nicht unbedingt der Tod im wörtlichen Sinn, sondern vielleicht eher das Empfinden von Abschied, Unsicherheit oder Kontrollverlust.

Wer diese Symbolsprache erkennt, nicht vorschnell interpretiert und den Menschen respektvoll begleitet, schafft Nähe und Vertrauen. Genau das ist ein zentrales Lernfeld in der palliativen Weiterbildung: nicht Antworten vorzugeben, sondern Bedeutungen gemeinsam zu erkunden.

In der palliativpädagogischen Praxis geht es deshalb nicht nur darum, Fakten auszutauschen, sondern einfühlsam zu begegnen, Fragen offen zu halten und Raum für Antworten zu geben, die nicht unbedingt in Worten kommen müssen.

Warum Palliative Care frühzeitig beginnen sollte

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Palliative Care erst am Lebensende beginnt. Doch Studien zeigen, dass eine frühzeitige Einbindung, bereits zu Beginn einer schweren Erkrankung, Symptome lindern und die Lebensqualität insgesamt verbessern kann.

Früh an Palliative Care zu denken bedeutet:

  • Ängste reduzieren, weil Menschen und Familien Zeit haben, sich auf die Veränderungen einzustellen.
  • Selbstbestimmung stärken, indem Wünsche und Ziele frühzeitig geklärt werden.
  • Ressourcen nutzen, z. B. psychosoziale Angebote, Schulungen für Angehörige oder Netzwerkstrukturen.

Angehörige in der palliativen Pflege begleiten

Palliative Versorgung achtet nicht nur den einzelnen Menschen, sondern sein Netzwerk: Angehörige werden aktiv eingebunden, begleitet und entlastet. Das kann durch Gespräche, Schulungen oder durch eine gezielte Trauerbegleitung geschehen, Elemente, die einen nachhaltigen Unterschied im Erleben der Betroffenen machen.

Pflegekräfte stehen dabei oft im Spannungsfeld zwischen professioneller Verantwortung und menschlicher Nähe. Genau hier zeigt sich, wie wertvoll eine gute palliative Haltung ist: Sie hilft, den herausfordernden Pfad zwischen Fürsorge und respektierter Selbstbestimmung zu gehen.

Palliative Haltung: Kompass im Pflegealltag

Palliative Care ist kein „letzter Schritt“, sondern ein weiterer Weg im Pflegeverständnis, bei dem Lebensqualität mehr ist als ein schöner Begriff: Sie ist Praxis, Haltung und tägliche Verantwortung. Für Pflegekräfte bedeutet das, nicht nur Symptome zu lindern, sondern Lebenszeit mit Bedeutung zu füllen, mit Respekt, Würde und Menschlichkeit.

Fazit: Palliative Pflege stärkt Menschlichkeit

Wenn wir Palliative Care konsequent weiterdenken, stärken wir nicht nur schwerkranke Menschen, sondern ein ganzes Pflegesystem, hin zu mehr Empathie, Respekt und gelebter Fürsorge.

Foto: Adobe Stock

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